Mein GELITA Trail Marathon Heidelberg 2013

                Das Wörtchen „Trail“ macht den Unterschied

Die Frage wie lang ein Marathonlauf ist, kann nahezu jedes Kind beantworten.
Zweiundvierzig Kilometer und einhundertfünfundneunzig Meter. So weit so gut, „dann lass uns mal an den Start zum ersten GELITA Trail Marathon in Heidelberg gehen“, so die Schnellschüsse mancher Läufer.
Dieser Gedanke kann aber schnell ins Auge, oder eher in die Beine, gehen, wenn man das kleine Wörtchen „Trail“ und die entsprechenden Höhenmeter in der Ausschreibung übersieht, oder sie schlimmstenfalls einfach nicht ernst nehmen will.

„Höher und härter“ hatte der Veranstalter die Königsdistanz in Heidelberg mit seinen stolzen 1.500 Höhenmeter angekündigt.
Da sich mein gesamtes Laufjahr 2013 in den Bergen abgespielt hatte, konnte mir der Odenwald trotzdem keine richtige Angst einjagen. Meine Sorgenkinder, Knie und Wade, waren Dank optimaler Behandlung in den letzen Tagen, Danke an Dr. Loyer und die Massagepraxis Neu, in Topform und brannten auf ihren Einsatz.

 

Meine vier Mitläufer aus Pirmasens, die das „Abenteuer“ Heidelberg dem flachen Frankfurt Marathon, der am gleichen Tag stattfand, vorzogen, waren ebenfalls voller Euphorie.

Die Idylle des schönen Städtchens Heidelberg trug an diesem morgen. Der angedrohte Regen ist zwar ausgeblieben und trotzdem sollte es ein harter Tag für alle Marathonläuferinnen und Läufer werden.
Die Frage „wenn selbst die großen Bergläufer, wie der spätere Sieger Marco Sturm Zeiten von über 3 Stunden benötigen, wie lange wird dann mein eigener Lauf dauern“, beschäftige mich vor dem Start.
Ich lag wie die Meisten mit meiner Prognose falsch, denn spätestens beim Anstieg auf den Königstuhl schwanden zusehend meine Kräfte und die Träume zerrannen.
Ging es bei den ersten Anstiegen unter den Läufern noch relativ lustig zu, hangelten sich nun wortkarge Menschen im Gehschritt den Berg hoch. Vor einigen Wochen hatte ich an gleicher Stelle einen Trainingslauf gemacht und wusste daher dass die Krönung auf den Weg zum „Gipfel“, die Himmelsleiter mit seinen 600 Natursteinstufen, noch vor mir liegt.


Und es ist für einen Außenstehenden kaum vorstellbar, wie schwer es ist , nach 35 Kilometern in den Beinen, diese Stufen noch aufrecht hoch zu steigen. Hätte man an dieser Stelle noch Kraft und Muse, könnte man ein Buch über die Szenarien schreiben, die sich dort abspielen.
Jeder Berg hat ein Ende, auch der Königstuhl. Der Empfang am Gipfel ist eisig. Aus der SAP Arena hat man Schnee angekarrt, um den „Erschöpften“ doch noch ein Lächeln abzuringen.
Aber nicht jedem gelingt es mehr.
Von nun an geht’s bergab, aber wie. Hier erhält das Wort „Trail“ noch eine ganz andere Bedeutung. Über Geröll und Wurzeln geht es zum Teil halsbrecherisch abwärts Richtung Schloss.
Da die Beine schon ein bisschen wackelig sind, geht hier bei den Meisten Vernunft vor Schnelligkeit.
In Vorfreude auf die Erlösung ist für die Beine das harte Kopfsteinpflaster des letzten Kilometers die reinste Wohltat. Die Zielkurve bringt für mich und viele Andere die Ernüchterung, dass Wunschzeiten und Realität manchesmal weit auseinander klaffen.
Man muss die Berge halt lieben, um sie zu verstehen.
So ist auch unter meinen schnellen Lauffreunden aus Pirmasens die Meinung, ob Frankfurt heute nicht doch die bessere Entscheidung gewesen wäre, zwiespältig. Ich schätze mal „vier zu ein gegen mich“ muss ich eingestehen.
Jedenfalls kamen Lächeln und die flotten Sprüche bei allen Beteiligten langsam wieder zurück. Nur die Wehwehchen bleiben noch ein bisschen.


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