Mein Hambacher Schloss Marathon 2007

Das Wunschergebnis verfehlt, und trotzdem zufrieden.

Nein, so schwer hatte ich mir meinen 7.Marathon nicht vorgestellt.

Das Höhenprofil des Laufes warnte zwar vor einer großen Steigung am Anfang des Laufes, aber die vielen kleinen und gemeinen Anstiege zum Schluss, waren mit dem Auge kaum erkennbar, aber mit den Füßen umso schwerer zu bewältigen.


Eigentlich hatte alles nahezu perfekt begonnen. Bereits am Vortage holte ich meine
Startnummer in Neustadt ab, um vielleicht noch stillheimlich ein paar Meter der Strecke hinauf zum Hambacher Schloss „probeweise“ laufen zu können. Satte Regenschauer ließen mein Vorhaben jedoch schnell platzen, sodass es nur für eine Besichtigungstour mit dem Auto reichte.


Wie vom Wettergott aber prophezeit, ließ in der Nacht der Regen nach, und nach dichtem Nebel in der Frühe, entpuppte sich der Tag in sonnigstem Glanze.
Die Tradition des Hambacher Schlosses, und die Vorboten der Feierlichkeiten des
175.Jahrestages der Demokratie in Deutschland waren überall zugegen.

 

Damals, am 27. Mai 1832, zogen mit der Parole "Hinauf Patrioten zum Schloss" mehr als 30.000 Bürgerinnen und Bürger zum Hambacher Schloss, um für Freiheit, Bürgerrechte und nationale Einheit zu demonstrieren. Es war die Geburtsstunde der Demokratie in Deutschland.
Ein schwarz-rot-goldenes Fahnenmeer beim durchlaufen von Hambach und das Erklingen der Nationalhymne vor dem Start, verliehen dem Lauf einen Hauch der Außergewöhnlichkeit.

Auch eine Segnung des Pfarrers für die Läuferinnen und Läufer vor dem Start ist nicht gerade alltäglich.


Gleich nach dem Start war es jedoch sofort vorbei mit jeglicher Gefühlsduselei. Bereits nach 500 Metern begann der Anstieg zum Hambacher Schoß. Erst auf breiteren Straßen, dann durch enge Gassen schlängelte sich der Weg nach oben. Selten hatte ich bei vorherigen Läufen bei der 5km Versorgungsstelle bereit so viele müde Gesichter gesehen.
Mit viel Power, und der Angst im Nacken, beim Aufstieg zuviel Zeit verloren zu haben, ging es den Berg hinunter in den idyllischen Weinort Hambach mit seinen schmalen Gassen und geschmückten Häusern.
Nach der Gabelung des Halbmarathons bekam die Strecke ein ganz neues Gesicht. Von nun an war man der nun heftig scheinenden Sonne, und einem ständigen leichten Gegenwind ausgesetzt. Kilometerlange gerade Streckenabschnitte mit gelegentlichen Brückenüberquerungen ließen gerade bei den Einzelläufern Langeweile aufkommen die man nur durch das zählen der Kilometerschilder aufheitern konnte. Gruppen waren in diesen Passagen deutlich im Vorteil,
da der Laufrhythmus in der Mehrzahl leichter gefunden werden kann.

Mit einem einfachen Plan, für den man keinen Rechner braucht, hatte ich mich auf die Strecke gemacht.
Die ersten 10km wollte ich in 55 Minuten laufen, und die nächsten beiden 10km Abschnitte in jeweils 53 Minuten. Als gebranntes Kind wurden von mir alle möglichen Vorsorgemaßnahmen getroffen, um nicht wieder irgendwo hinter km 30 mit Wadenkrämpfen einzubrechen .

Hier schien mein Plan dieses mal auch aufzugehen. Nicht jedoch was meine
Kraft betraf. Während ich bei km 30 geistig noch in meinen Planspielen für den Rest der Strecke steckte, musste ich bereits einen Kilometer später erkennen, dass es mir nicht mehr möglich sein wird, mein Wunschtempo weiter einzuhalten.

5 km vor dem Ende zwangen mich meine müden Beine, zum ersten Mal eine richtige Laufpause einlegen. Es sollte aber nicht die Letzte sein. Der Ort Gimmeldingen wird mir dabei in ewiger Erinnerung bleiben. 500 Meter Anstieg auf Kopfsteinpflaster erwartete dort die Läufer! Im schnellstmöglichen Gehschritt stolperte ich abgekämpft über die scheinbar übergroßen Steine nach oben.

Mit sehr flauem Gefühl im Magen ließ ich letzte Versorgungsstelle links liegen, und glaubte meinen Augen nicht zu trauen, es ging ab sofort wieder abwärts.

 

Ein letzter Blick auf die Uhr zeigte mir, dass die 4 Stundengrenze immer näher rückt. Mit dem noch verbliebenen Dampf versuchte ich noch einmal Gas zu geben. Mein Magen wollte sich mit diesem Gedanken aber nicht mehr anfreunden, und gab mir klare Signale, dass ich die letzen 2 Kilometer besser im Schongang hintern mich zu bringen sollte. Nach 4: 06:29 blieb endlich die Uhr für mich stehen.


Der Wille und die letzte Kraft haben mich noch auf einem Mittelfeldplatz im
Gesamtklassement und den 21. Rang von 69 Startern in meiner Altersklasse "getragen".
Hatte ich beim Scheitern meines letzten Versuches die 4 Stunden zu knacken noch
wutentbrannt mein Stirnband in die Ecke geworfen, fühlte ich dieses Mal Dankbarkeit und Demut, einen wirklich harten Lauf erfolgreich beendet zu haben.


Und was sind schon sechs Minuten, gemessen an der vielen Zeit die man im Laufe seines Lebens ungenutzt an sich vorbeiziehen lässt.
Daher verzichte ich dieses mal auch an jeglicher Manöverkritik an mir selbst, sei es wegen etl. Übergewichtes, des zu lockeren Trainings, der flachsen Vorbereitung und alles Andere was einem so in der Nachbetrachtung durch den Kopf geht. Es kann auch Positives bewirken, wenn Bäume nicht in den Himmel wachsen, und die Erkenntnis wieder zu Tage kommt, dass vor einem Erfolg immer noch jede Menge Arbeit (Training) steht.

 

© Text und Fotos Hans Pertsch 2.April 2007


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