Mein 20er von Paris 2014

                                Traditionslauf mitten durch Paris

Der krumme 20er von Paris

 

Manches mal sind die einfachen Dinge kompliziert. 20Km ist für einen "Außenstehenden" eine glatte Sache. Für einen Läufer ist es eher ein krummer Lauf. Gerechnet wird unter den "Eingeweihten" nicht nach "Otto Normalverbraucher" sondern in  Marathonmaßen.

Und dann ist ein normaler Lauf eben 42,195 Kilometer und ein gerader "Halber", folgerichtig  21,100 Kilometer. Am 12.Oktober jedenfalls habe ich mich für einen krummen 20er entschieden. Für die meisten ist dieser Lauf eher unbekannt. Für die Franzosen ist es "der Klassiker".

Die Franzosen sind ein sehr lauffreudiges Völkchen.  Da aber auch der Part Geselligkeit in Frankreich eine große Rolle spielt, erhält das Wort Wettkampf, ein bisschen eine andere Rolle. Nach meinem Gefühl geht es bei Läufen in unserem Nachbarland, viel lauter zu. Man unterhält sich, man lacht und man genießt die Freiheit, die einem die eigene Beine schenken.

So stehe ich an einem herrlichen Sonntagmorgen am Port de Lena im großen Starterfeld.

Das Stehen ist wörtlich zu nehmen. Es geht nämlich gar nichts voran. Obwohl der Startschuss schon ewig gefallen ist, stehen geschätzte 30.000 Teilnehmer geduldig in den Straßen und Wegen rund um die höchste Sehenswürdigkeit der französischen Hauptstadt, den Eifelturm.

 

Schlecht für meine Nerven. Denn ich bin mit dem Bus in Paris und der will heute Nachmittag pünktlich Richtung Heimat fahren.

Gemütlich erreiche ich nach etwa 45 Minuten die Nähe der Startlinie. Es wird in Gruppen gestartet aber nicht wirklich nach den Zeitvorgaben der Läufer.

Aber irgendwann ist es dann doch so weit. Die breiten Straßen von Paris schlucken die Menschenmassen sofort weg. Kein Stau kann nunmehr  für langsame Laufzeiten verantwortlich gemacht werden.

Viele Straßen der Weltmetropole gleichen sich  in Stil und Charakter. Ich fühle mich heimisch hier. Bereits zwei Mal bin ich  in Paris den Marathon gelaufen, schon oft war ich als Tourist an der Saine unterwegs.

Mein Trainingszustand ist ganz ordentlich und so mache ich mir keine großen Sorgen und Gedanken den Lauf erfolgreich zu beenden. Für mich als Deutscher ist es ein ruhiger Vormittag. Keiner spricht unterwegs mit mir. Ausländer sind rar bei diesem Lauf. Aber dank meines schwarz-rot –goldenem Trikot, das ich immer im Ausland trage, erhalte ich ab und zu einen Klaps oder aufmundender Zuruf.

Lange Zeit bleibt es ruhig am Straßenrand. Erst als wir nach etwa 12 Kilometern das Ufer der Saine erreichen kommt Leben auf. Den Eifelturm noch in weiter Ferne, beginnt der schöne Teil des Laufes. Das Ziel auf der anderen Seite des Flusses ist von weitem schon sichtbar.

Aber der Weg ist noch weit. Die Straßenunterführungen auf der Avenue de New York wollen nicht aufhören. Am Lovre ist es dann aber so weit. Wir überqueren den berühmtesten Fluss Frankreichs und biegen auf die Zielgerade ein.

Ein Volksfest erwartet die Läuferinnen und Läufer im Ziel. Küsschen da, Küsschen dort, man feiert aus vollem Herzen das Ende eines schönen Sonntagvormittages.

Nur ich habe es eilig, sehr eilig. Eine Metrofahrt über fünf Stationen liegt noch vor mir.

Da für umziehen keine Zeit mehr war, erreiche ich in Laufkleidung ,meinen Bus.

Nicht als letzter, genauso wenig wie am Morgen unterm Eifelturm. Mit etwas mehr als 2 Stunden hake ich den Frankreich Klassiker als „gelungen“ ab.

 

Nur wenn ich noch einmal hierher kommen sollte, dann ohne Hetze. Das nächste Mal feiere ich zusammen mit den Franzosen.

 

Hans Pertsch

Oktober 2014


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