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               Damals als ich laufen lernte

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Um dem Thema die Spannung vorweg zu nehmen. Laufen ist nicht unbegrenzt schön. Es kommt keine Freude auf bei einem leichten Lauf und schon gar nicht bei einem Marathon. Und trotzdem bin ich bei nahezu jedem Wetter draußen. „Der ist süchtig“ oder „der spinnt“ werden Sie jetzt denken. Nein ich glaube beides ist nicht richtig. Man muss Dinge nicht lieben um sie zu verrichten.

Damals, mit 50 habe ich die Welt noch ein bisschen anders gesehen. Lockerer , leichter unbeschwerter. Doch der Schein trog. Eigentlich war ich das Leben auf der Couch oder der Tribüne des Stadions längst leidig. Es fehlte nur die Inizialzündung für den bereits innerlich gestarteten Motor. Der Tod eines ganz nahen Verwanden, der eigene Ekel vor Saufgelagen und ein verheerendes Gesundheitsbild meines Arztes sollten zum Wendepunkt meines Lebens werden.

Mit 105 km Lebendgewicht bin ich eines morgens losgetrampelt. Wahrscheinlich hat sich Mirca, meine begleitende Hundedame damals gefürchtet, als ich keuchend bereits nach wenigen Metern meine erste Pause genommen habe. Aber es ging aufwärts, auf keine Schritte folgten Große. Noch heute denke ich oft an den hochroten Kopf nach dem Lauf und den fürchterlichen Muskelkater am anderen Tage.
Heute, mit 53 Jahren und sehr stolze 30kg leichter keuche und schwitze ich immer noch beim laufen vielleicht etwas weniger. So mit manchem Läufer, vom dem ich in den Anfängen nur die Rückenansicht sah, kann ich inzwischen auf einer Augenhöhe laufen.
Keuchende Anfänger dagegen haben meine größte Bewunderung. Ich verkneife es mir meistens sie darauf anzusprechen, was für ein langer Weg noch vor ihnen liegt. Geduld ist das höchste Gebot des Läufers. Hier liegt einer der Schlüssel des Erfolges. Eine, zwei oder gar drei Stunden zu laufen heißt auch, mit seinen Gedanken in dieser Zeit alleine zu sein. Aus diesen Stunden habe ich viel Kraft für das reale Leben neben dem Laufen geschöpft. Auch das ist ein Grund, warum ich auch dann als loslaufe, wenn ein tieferer Sinn nicht erkennbar ist.

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Ein großes Problem verkennt man leicht. Mit steigender Form stellt man sich immer höhere Aufgaben und Anforderungen. Begnügte man sich anfangs mit 5 Kilometern schielt man später schon nach einem Marathon. Leicht vergisst man dabei aber, dass außer Kondition die Knie, Knochen, Bänder und Sehnen ein gewaltiges Mitspracherecht haben. Schnell sind große Träume geplatzt wenn Warnsignale des Körpers missachtet werden.
Ein artverwandtes Problem ist die Psyche. Gerade in der Vorbereitung zu einem Rennen ist diese oft scheren Schwankungen ausgesetzt. Selbst absolute Topläufer sind von Selbstzweifeln nicht verschont. Eben ist man noch ganz oben, im nächsten Moment beginnt die seelische Talfahrt. Obwohl man in solchen Momenten viel Zeit für sich selber braucht, ist die moralische Hilfe von lieben nahestehenden Menschen ein hilfreicher Trost. Überhaupt spielt die Familie eine große Rolle. Wer mehr macht als joggen, der kann oft mit seinem Partner im Training nichts anfangen. Läufer sollten im Training immer mit mindesten Leistungsgleichen unterwegs sein. Es macht keinen Spaß auf jemanden zu warten bzw. jemanden hinterher zu hetzen. Ein (wirklich) verständnisvoller Partner ist eine innerliche Beruhigung.Man bezahlt diese Vorgaben aber auch zurück. Tiefe Einblicke in die eigene Seele werden während des Laufes aufgenommen, Zusammenhänge von Mensch und Natur, Unzulänglichkeiten der Technik und das Wunderwerk des Universum ergründet. Man erlernt Menschlichkeit "leben"neu.

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Ich glaube, diese Erkenntnisse haben mich in vielen Lebenslagen reifer, ruhiger und vor allem zufriedener gemacht.
Daher tample ich auch heute immer wieder los, und keuche und schwitze genauso wie damals als ich laufen lernte.

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